Schulten, Thorsten und Torsten Müller. 2015. Europäische wirtschaftspolitische Steuerung und ihre Intervention in die nationale Lohnentwicklung und Tarifverhandlungen. In spaltender Integration. Der Triumph gescheiterter Ideen in Europa – revisited, Ed. Steffen Lehndorff, 331–363. Brüssel: ETUI. Auf nationaler Ebene gibt es mehrere private Arbeitgeberorganisationen, und viele davon auf regionaler und lokaler Ebene. Es gibt weder eine Liste aller Arbeitgeberorganisationen, die in diesem Sektor tätig sind, noch genaue Informationen über die an Tarifverhandlungen beteiligten Personen auf lokaler Ebene. Die Mehrheit der Arbeitgeberverbände schließt keine Tarifverträge ab. Konflikte und Kämpfe gab es auch zwischen den Arbeitgeberverbänden. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vertritt alle österreichischen Unternehmen, für die eine Mitgliedschaft pflichtpflichtgemäß ist.

Sie sprachen sich gegen die Gründung einer sektoralen Arbeitgeberorganisation mit freiwilliger Mitgliedschaft aus, die in Tarifverhandlungen eine höhere Priorität hat als Organisationen mit Pflichtmitgliedschaft. Kürzlich wurden sogar gemeinnützige Unternehmen Mitglieder der WKÖ; die meisten gehören aber auch zu DEN BAGS, die seit ihrer Gründung weiter wachsen. Derzeit organisiert die BAGS (umbenannt in Sozialwirtschaft Österreich, SWÖFootnote 10, 2012) 367 Mitgliedsorganisationen, die mehr als 55.000 Beschäftigte im privaten Sozialdienst beschäftigen (SWÖ 2016). Die Organisationsdichte der Arbeitgeber, d.h. die Zahl der in den BAGS/SWÖ-Mitgliedsorganisationen beschäftigten Arbeitnehmer im Verhältnis zu allen Imkundigen des Verbandes, beträgt ca. 55 %. Politische Programme der wirtschaftlichen Liberalisierung und der öffentlichen Sparpolitik haben versucht, die Bereitstellung sozialer Dienstleistungen umzustrukturieren und die verschiedenen Dienstleistungs- und Arbeitsmärkte innerhalb der Europäischen Union (EU) zu öffnen. Die für den Binnenmarkt zuständige Generaldirektion der Europäischen Kommission möchte insbesondere die Zahl der kommerziellen Akteure im Bereich der sozialen Dienstleistungen erhöhen, anstatt diese Dienstleistungen vor den Binnenmarktvorschriften zu schützen (Baeten 2007). Daher wird (quasi) der Wettbewerb auf dem Markt, das Entstehen großer transnationaler Unternehmen in bestimmten Teilsektoren, wie der Altenpflege, und die Arbeitsmigration in der mobilen und häuslichen Pflege weithin als erhöhter Druck auf Löhne und Arbeitsbedingungen in sozialen Diensten angesehen.

Zu den sozialen Dienstleistungen gehören eine Vielzahl von Dienstleistungen wie Gesundheits- und Sozialfürsorge, einschließlich Arbeitsmarktpolitik, Jugendarbeit sowie Kinder- und Altenpflege, die von staatlichen, privaten und gemeinnützigen Organisationen erbracht werden. Da es sich bei sozialen Dienstleistungen um persönliche Dienstleistungen handelt, ist ihre Bereitstellung weitgehend an einen bestimmten Standort gebunden. Während dies eine transnationale Verlagerung sozialer Dienstleistungen unwahrscheinlich macht, wurden die Marktstrukturen und die Beschäftigungsverhältnisse im Sozialdienstleistungssektor in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in Europa umgestaltet (Kroos und Gottschall 2012; Dahme und Wohlfahrt 2015). Länder wie Österreich und Deutschland, die bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen stark auf nicht-öffentliche Akteure angewiesen sind, haben in ihren Beschäftigungsverhältnissen und Lohnbildungseinrichtungen tiefgreifende Veränderungen erfahren. Ihre Transformation war jedoch nicht unidirektional im Sinne einer stärker marktorientierten Entwicklung. Österreich und Deutschland wurden in Bezug auf die Arbeitsbeziehungen als die meisten ähnlichen Fälle verglichen (Pernicka und Aust 2007); Ihre sehr heterogenen Lohnbildungseinrichtungen und Arbeitsverhältnisse im Sozialbereich reichen jedoch von kürzlich eingeführten Formen autonomer Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften in Österreich bis hin zu stark fragmentierten und umstrittenen Arbeitsverhältnissen und Lohnbildungseinrichtungen in Deutschland. Auch wenn der Sektor der sozialen Dienstleistungen eng mit den Gesundheitsdiensten verbunden ist und die genauen Grenzen des Sektors umstritten geblieben sind, strebt dieser Artikel mehr Klarheit an, indem er sich auf den Sektor der sozialen Dienstleistungen konzentriert (für einen solchen Ansatz siehe Evans et al.